Warum wir Retro-Games lieben

Spiel: Pokemon Gold
Obwohl natürlich immer die neuesten Games wie MW3 oder Fifa12 die Chartliste anführen und mit einer noch nie da gewesenen Grafikpracht überzeugen können, sind es doch ganz andere Games die das Herz der Gamer erweichen. Meist sind die Pixel und der Midi-Sound deutlich zu erkennen, und doch lieben wir sie genau aus diesem Grund. Ich rede von Retro-Games. Spiele der grauen Vorzeit. Jeder hat seine Vorlieben und ist in einer anderen Spielegeneration mit ihnen vertraut geworden, doch die Gründe warum wir sie lieben sind die meist die gleichen. Ich habe versucht eine grobe Zusammenfassung zu schreiben was den Reiz an einem Retro-Game ausmacht.


Spiel: Rayman
Die gute alte Zeit
Es ist wahrscheinlich der erste Gedanke der einem bei Retro-Games in den Kopf kommt. Die gute alte Zeit. Wir erinnern uns bei Retro-Games gerne an unsere Kindheit zurück. Wie wir stundenlang vor dem Monitor verbrachten um einen Endgegner zu besiegen. Doch nicht nur alleine hat es Spaß gemacht. Genauso cool war es auch dem Freund eine tracht Prügel in einem Beat'em up zu verpassen oder gemeinsam mit ihm ein Jump'n'run zu meistern. Obwohl wir das als Kind nicht war haben wollten, war die Zeit doch viel sorgloser als jetzt. Wir erinnern uns gerne daran zurück wie schön es damals war, auch wenn das vielleicht nicht immer stimmen mag. Aus dem selben Grund sind auch Spielzeugeisenbahnen so beliebt bei Erwachsenen. Man baut sich die heile Welt auf, die man aus Erinnerungen kennt.
Spiel: Tomb Raider
Geheimnisse entdecken
Ich kann mich noch genau an meine ersten Gehversuche in Tomb Raider erinnern. Es war ein völlig neues Genre für mich. Ständig steckte ich bei irgendwelchen Rätseln fest. Es dauerte gefühlte Jahrhunderte bis ich mitbekommen habe, dass man manche Steine verschieben kann. Daraufhin freute ich mich riesig. Das war ein richtiges Erfolgserlebnis. Das gleiche gilt für andere Stellen. Beispielsweise, wenn man Schalter in der richtigen Reihenfolge betätigen muss oder alle Fackeln in einem Raum zum brennen bringen muss. Ich kannte diese Rätsel damals noch nicht. Jetzt sieht das alles anders aus. Wenn ich in den neuen Games durch einen Raum laufe erkenne ich sofort was zu tun ist. Ich sehe schon automatisch wenn eine einsame Fackel nicht brennt und weis auch was damit zu tun ist. Es sind einfach keine Rätsel mehr.
Spiel: Sonic 2
Mehr Zeit zum Spielen
Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber früher lies ich mir viel mehr Zeit für Spiele. Das lag nicht nur daran, dass ich viel neues Entdeckte, sondern auch an der gesamten Einstellung zu spielen. Heutzutage ist es mir das wichtigste das Spiel möglichst schnell durchgespielt zu haben um mich anderen Dingen widmen zu können. Als Kind war das nicht wichtig. Man hat alle Zeit der Welt. Ich nutzte die Zeit um mir die Welt genau zu betrachten. Jeden Pixel meiner Lieblingsspiele sah ich mir an. Es gab so viel zu Entdecken. Auch die Handbücher waren viel Informativer. Im Handbuch von Sonic 2 waren beispielsweise alle Gegner mit einer Strichzeichnung und Beschreibung zu finden.Die lass ich mir vorm ins Bett gehen durch. Heute mach ich das natürlich nicht mehr. Ich weiß ja wie man Games zu bedienen hat. Und selbst wenn nicht. Heutzutage lässt man niemanden mehr ein Handbuch lesen. Dafür gibt es Tutorials im Spiel.
Spiel: Final Fantasy VII
Weniger Details, mehr Fantasie
Ich denke, dass ein großer Nachteil der heutigen Games auch in ihrer superhübschen Grafik besteht, die ein Segen und Fluch zugleich sein kann. Warum? Weil sie keinen Platz für die eigene Fantasie mehr lässt. Das ist doch der Grund warum Bücher meist besser sind als Filme. Nicht etwa weil eine andere Geschichte erzählt wird, sondern weil wir diese Geschichte selbst mitgestallten. Die Geschichte die ein Buch erzählt ist für jeden Menschen anders und individuell. Niemand anderes kann sie so erleben wie man selbst. Das gleiche gilt auch für Spiele. Umso weniger Details ein Spiel hat, umso mehr Fantasy muss der Spieler selber aufbringen um einen viereckigen weißen Punkt beispielsweise als Ball zu erkennen. In den modernden Fußballspielen erkennt man den Ball natürlich sofort als Ball.
Spiel: Super Metroid
Das gleiche gilt auch für Charaktere. Während man sich früher anhand der eigenen Emotionen und der Spielsituation den Gesichtsausdruck des Charakters denken musste, so bleibt heutzutage keine Interpretationsmöglichkeit mehr übrig. Anhand der hoch auflösenden Grafik können wir jeden Gesichtsausdruck sofort erkennen. Ob man es glauben mag oder nicht, aber die Grafik im Kopf ist meist viel besser als die auf dem Bildschirm. Während wir früher auf einen Haufen Pixel geblickt haben und dort den furchterregendsten Endgegner der Weltgeschichte gesehen haben schauen wir heute auf eine hochauflösende Version des Endgegners und sehen, dass er überhaupt nicht so fürchterlich aussieht wie wir ihn uns vorgestellt haben. Ganz im Gegenteil. Meist sieht er richtig harmlos aus.
Das Internet
Spiel: Silent Hill
Früher glaubte ich, nachdem ich ein Spiel durchgespielt hatte, der größte Gamer der Welt zu sein. Ich dachte auch, dass meine Highscores gut wären, doch das Internet zerstörte alle meine Wunschträume. Hier gibt es Spieler die wirklich jeden Pwnen. Da kann ich mit meinen wenigen Punkten nicht mehr mithalten. Das ist frustrierend. Während ich das ganze früher für mich behalten konnte, zeigen die Achievments meiner Freunde mir die Schmach jeden Tag aufs neue. Achievments wie "Du hast das Spiel gemeistert ohne im Internet zu spicken" gibt es leider nicht. Das ist nämlich mein nächster Punkt. Wer heute nicht weiterkommt wirft einfach einen Blick ins Internet und schaut wie das Rätsel von tausend anderen Spielern gelöst wurde. Wo bleibt da der Reiz? Sicher ist es nervig, irgendwo nicht weiter zu kommen. Aber niemand verschwendet mehr ein ganzes Wochenende nur um auf die Lösung zu kommen. Ich selbst gebe so nach 10-20 Minuten auf und wage einen Blick ins Internet. Natürlich geht dabei auch etwas verloren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das Rätsel in Silent Hill mit dem Piano ganz alleine gelöst habe. Das war vielleicht ein Erfolgserlebnis.
Spiel: PaRappa the Rappa
Das erste Mal
Leider gibt es ein paar Genres die den Markt überfluten. Wenn man sie gespielt hat kennt man alles. Auch der hundertste Call of Duty Teil kann nichts daran ändern, dass es immer wieder die aufgewärmte Brühe ist. Man läuft rum und knallt Leute ab. Das ist nicht wirklich innovativ. Wirklich Spaß macht ein Game doch nur wenn es neu ist. Wenn man neues erlebt. Das ganze hat nichts mit alten Spielen zu tun. Nicht jeder muss Quake 2 gespielt haben. Auch neue Gamer kennen das. Wenn sie beispielsweise mit Battlefield 3 ihren ersten Shooter gespielt haben, so ist es eben Battlefield 3 welches diese neue Welt für sie bietet. Alle anderen Shooter danach sind dann irgendwie langweilig. Genau das macht ein Retro-Game aus. Man erlebt eine völlig neue Welt zum ersten Mal. PaRappa the Rapper war für mich nach ein paar Jahren des zockens beispielsweise wieder eine völlig neue Erfahrung. Das Game war frisch und interessant. Ich zockte die Demo den ganzen Tag durch. Den zweiten Teil fand ich dann nur noch langweilig.
Spiel: Command and Conquer
Ein weiteres Beispiel ist Command & Conquer. Ich wusste überhaupt nicht was ich tun sollte. Die ersten Minuten versuchte ich so viele Gegner mit meinem Bauhof zu überfahren wie möglich war bevor ich damit explodierte. Irgendwann entdeckte ich dann, dass man den auch ausbauen kann. Also erstellte ich Sammler und überfuhr damit die Gegner. Es hat ganz schön lange gebraucht bis ich kapierte für welche Aufgabe die Sammler gut sind. Naja. So ist das eben beim ersten Mal. Aber das macht ja den Reiz aus. Natürlich würde ich das heute nicht mehr so machen. Heute weiß ich worauf es beim Basisbau ankommt. Leider langweilen mich neue C&C Teile deswegen auch ziemlich schnell. Da zock ich lieber den ersten Teil und schwelge in Erinnerungen an eine bessere Zeit.
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