IMHO: Aus der Hype um Browsergames

Bild: Farmville 2
Lange Zeit fristeten Browsergames ein Schattendasein. Meist wurden sie von unbegabten Schülern in PHP programmiert und mit selbst gezeichneten Grafiken aufgehübscht. Ein paar Textfelder für Ressourcen, ein Chatfenster und eine verpixelte Worldmap und fertig ist das Browsergame.
Das Tolle daran war die nahezu unbeschränkte Erreichbarkeit. Sowohl von Zuhause, von der Arbeit aus oder auf dem Schulcomputer konnten Browsergames gespielt werde. Das war auch so gewollt, denn das Prinzip dahinter ist einfach und heißt Wachstum. Nur wer sich jeden Tag anmeldet und ein wenig auf die Buttons klickt kann erfolgreich werden.

Möchte man beispielsweise seine Stadt ausbauen so muss man zuerst einmal Ressourcen sammeln. Hat man nach ein paar Tagen genügend gesammelt klickt man auf den Bau-Button und wartet bis das Gebäude steht. Anders als in gewöhnlichen Spielen steht das dieses dann jedoch nicht nach ein paar Sekunden auf der Karte sondern lässt sich dafür mehrere Stunden Zeit. Damit möchte man den Spieler auf lange Zeit motivieren. Für viele Gamer reichte das aus um einmal einen Blick hineinzuwerfen. Meistens dauerte es dann nur wenige Tage und das Spiel wurde vergessen und der Shortcut im Browser gelöscht. Das mit der Langzeitmotivation ist nämlich so eine Sache; Zwar kann es Spaß machen seine Stadt Tag für Tag wachsen zu sehen, doch selbst das wird irgendwann langweilig, wenn es mehrere Tage dauert ein neues Gebäude zu errichten. Browsergames konnten so nie wirklich zum Hype werden und wurden meistens von privat selbst finanziert. Geld verdienen war praktisch unmöglich.
Das alles änderte sich jedoch als professionelle Spieleschmieden Browsergames für sich entdeckten. Ein unscheinbares Unternehmen mischte in den letzten Jahren die Spielewelt auf. Zynga ist für jeden Entwickler zu einen Begriff geworden. Ob es nun an Facebook lag, oder ob es gerade die Spiele waren die Facebook zum Erfolg verhalfen ist unklar. Höchstwahrscheinlich war es das Zusammenspiel beider Seiten. Zynga gelang es innerhalb von wenigen Jahren zum wertvollsten Spieleunternehmen der Welt aufzusteigen. Doch so schnell wie der Aufstieg gekommen ist geht es nun bergab. Zynga steht so tief im Minus, dass sie sich da wohl kaum mehr rauswringen können.
Browsergames haben den Zenit überschritten. Nachfolgen versuche ich einige Gründe dafür zu schildern wie ich sie sehe.

Das Prinzip bleibt immer gleich

Browsergames müssen vor allem auf Ressourcen achten. Sie sollten möglichst auf allen Rechnern lauffähig sein und ein flüssiges Spielerlebnis garantieren. Leider bleibt das Spielerlebnis dabei bei einem simplen Herumgeklicke mit der Maus. Man ist zwar von HTML-Tabellen auf hübsche Vektorgrafik gewechselt, doch wirklich neue Prinzipien traut man sich nicht einzuführen. Ob das Spiel nun Farmville, Sims-Online oder Mafiawars heißt ist dabei egal. Es wird immer nur stupide auf irgendwas draufgeklickt. Das es auch anders geht zeigen zahlreiche Flashgames. Doch sobald mal ein wenig Skill gefragt ist könnte man ja Spieler verlieren, die sich im Nachteil fühlen und man lässt es lieber.

Der Markt ist leer gefischt

Wie bereits beschrieben verlieren viele Spieler nach geraumer Zeit die Lust am Spiel. Warum dennoch so viele Spieler aktiv dabei sind liegt am Schneeball-Effekt. Man wird in diesen Spielen quasi gezwungen Freunde einzuladen. So kommt es eben, dass obwohl man schon lange nicht mehr spielt eben nun drei Freunde dem Spiel verfallen sind. Das ganze steigt zwar immer schneller, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze. Sobald der Teich leer gefischt ist ist es schneller vorbei als es begonnen hat. Die Spielehersteller müssen also immer neue Spiele entwerfen um die Spieler bei Laune zu halten. Diese müssen zudem immer aufwendiger gestaltet sein. Irgendwo beißt sich die Katze hier in den Schwanz.

Zahlende Kunden sind unter Spielern verpönt

Das Geschäftsprinzip von Browsergames beruht auf zahlenden Kunden. Nur wer Geld hinblättert hat Zugriff auf exklusive Gegenstände im Spiel. Das ganze mag ja bei einem pupertären Kind erfolgt haben, der auf Facebook seine Freunde beeindrucken möchte, in Gamer-Kreisen sind die Käufer jedoch gehasst. Letztendlich erkaufen sie sich den Erfolg. Da Spieler ihr Hobby als eine Art Sport betrachten ist dies durchaus mit einem gekauften Sieg bei einem Fußball-Turnier zu vergleichen. Man verliert damit seine Ehre als Gamer.

Ohne Freunde ist alles vorbei

Wie schon erwähnt zwingen Browsergames den Spieler Freunde in das Spiel zu locken. Ohne genügend Freunde ist es beispielsweise nicht möglich alle Aufgaben zu erledigen. Wenn diese Freunde verschwinden kann selbst der größte Fanboy einpacken. Selbst wenn er das Spiel wirklich liebt und gerne weiter spielen möchte kann er es so gut wie vergessen.

Es nervt einfach

Während es dem normalen Surfer keine Probleme bereiten sollte Werbung gezielt zu ignorieren ist dies mit Spieleanfragen kaum möglich. Sie schleichen sich als Statusmeldungen in das Facebook-Profil und überfluten einen mit nervigen Anfragen. Selbst wenn das Spiel dahinter durchaus amüsant sein könnte möchte man nach der tausendsten Anfrage davon nichts mehr Wissen. Ganz im Gegenteil. Es entwickelt sich vielleicht sogar ein Hass auf das Spiel.
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1 Kommentare:

Carsten Todt hat gesagt…

Dein Artikel ist sehr gelungen. Er beschreibt gut die Gefahren der Browsergames. Andererseits ist das aber nicht nur das positive für den Unternehmer, sondern gefällt auch dem Spieler. Man muss selbst in der Lage sein, darauf zu achten, dass dies nicht ausufert, sondern ein kurzer Pausenfüller bleibt.

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